Tegernsee

Genau 50 Kilometer Luftlinie sind es von der Mariensäule auf dem Marienplatz in München bis zum Gipfelkreuz auf dem Wallberg, der sich am südlichen Ende des Tegernsees erhebt. Von dort erstreckt sich der grandiose Blick über das ganze Tegernseer Tal.
Es gab eine Zeit, da galt München als "Zweitwohnsitz" der reichen Tegernseer. Heute ist es umgekehrt; da kommen die Münchner wieder zum Tegernsee - und das nicht nur am Wochenende. Mit rund 25.000 Eingesessenen und "Zuagroasten" ist er das am dichtesten umsiedelte Freizeitgewässer Oberbayerns ? kein Wunder bei der idealen Lage nahe den Bergen.
Heute kann man sich kaum vorstellen, dass in grauer Vorzeit dieses Seetal eine wüste und unwirtliche Waldwildnis war, wo sich Wolf, Luchs und Bär gute Nacht sagten. Im Jahr 719 kamen Benediktinermönche aus St. Gallen und begannen, dieses Tal urbar zu machen. 746 wurde der Klosterbau am Tegernsee fertig und den Apostelfürsten Peter und Paul gewidmet. 1193 wurde das Kloster Tegernsee unmittelbare Reichsabtei und damit eines der mächtigsten Monasterien im Heiligen Römischen Reich Deutsche Nation. Tegernsees Abt war der Primas alle Abteien in Altbayern. Nachdem Napoleon die Besitzstände änderte und die geistlichen Güter an weltliche Fürsten verteilte, begann eine traurige Zeit im Tegernseer Tal, das nun der kulturellen und sozialen Institution beraubt war.
Es waren die Wittelsbacher, das bayerische Königshaus, die in der Folgezeit eine vorbildliche Wiedergutmachung im Tegernseer Tal leisteten. Schulen wurden wieder eröffnet, das Gesundheitswesen reorganisiert und das Kurwesen in Wildbad Kreuth, das bereits zu den Zeiten der Äbte florierte, wurde zu neuem Leben erweckt. Kunst und Gewerbe erholten sich. Mit den Königen kamen Hoflieferanten und Diplomaten, Primadonnen und Schöngeister, Dichter und Denker, Maler und Müßggänger und ? nicht zu vergessen ? die neugrierigen "Bürgersleut" an den Tegernsee. Damit hielt der Tourismus Einzug.
König Maximilian I. Joseph führte auch die Tradition der Tegernseer Bierbraukunst weiter. Als die Keller im Schloss nicht mehr ausreichten, ließ man 1838 einen neuen Sommerbier-Lagerkeller bauen. Daraus machte Herzog Karl Theodor den bis heute so beliebten "Herzoglichen Sommerkeller" mit Ausschank und Biergarten. Dieses Bräustüberl, das fast den ganzen Trakt der ehemaligen Klosterbrauerei umfasst, ist bekannter und beliebter Treffpunkt bei Einheimischen und Gästen.
Die Tegernseer Mönche machten einen kleinen Ort mit ein paar Wiesen am See bekannt: Wiessee. 1440 entdeckten sie die St. Quirins Quelle, eine Ölquelle. Bis ins 18. Jh. verkauften sie das Erdöl als Arzneimittel. 1908 wollten die Wiesseer ihren Ölreichtum durch eine neue Bohrung mehren, doch statt dem erhofften Erdöl, sprudelte ein seltenes, warmes Edelwasser aus der Erde. Eine chemische Analyse im Jahre 1912 ergab, dass Wiessee über stärkste Jod-Schwefel-Quellen verfügte. So wurde 1922 aus Wiessee das Bad Wiessee.











